Man kann sich kaum einen Vogel vorstellen, der Geschwindigkeiten von bis zu 70 km/h erreichen kann, eine enorme Körpermasse besitzt und nahezu überall überleben kann. Hier geht es um den Afrikanischen Strauß, einen bemerkenswerten und anpassungsfähigen Vogel.
Beschreibung des afrikanischen Straußes
Der afrikanische Strauß ist ein ungewöhnlich großer, flugunfähiger Vogel ohne Kiel. Er ist die einzige bis heute überlebende Straußenart.

Herkunft
Wissenschaftler haben herausgefunden, dass der älteste Vorfahre dieser Vögel vor etwa 23 Millionen Jahren in Südafrika lebte. Er war mittelgroß (kleiner als die heutigen Strauße) und primitiv. Vor etwa 15 Millionen Jahren wanderten einige Strauße in die Türkei ein und verbreiteten sich von dort aus in ganz Innerasien.
Die weitere Evolution dieser Vögel fand im späten Miozän in Eurasien statt. Die klimatischen Bedingungen waren durch Abkühlung und Austrocknung des Landes gekennzeichnet. Savannen breiteten sich über die weiten Graslandschaften aus, wo diese Strauße, noch in einem eher unterentwickelten und primitiven Stadium, lange Zeit lebten.
Aussehen
Der afrikanische Strauß ist die größte Vogelart, die Wissenschaftlern derzeit bekannt ist. Schauen wir uns jedes Detail seines Aussehens genauer an:
- Kopf. Ziemlich klein und abgeflacht. Die Augen sind groß und strahlend, meist mit langen, dichten Wimpern am Oberlid und keinen am Unterlid. Das Sehvermögen ist sehr gut. Der Gehörapparat ist aufgrund der spärlichen Behaarung am Kopf deutlich sichtbar; die Ohrmuscheln ähneln kleinen menschlichen Ohren.
- Flügel. Ihre Zehen sind unterentwickelt und mit Krallen versehen. Das Gefieder ist gleichmäßig über den ganzen Körper verteilt, die Flügel sind dicht befiedert. Männchen haben typischerweise ein schwarzes Gefieder, während die deutlich kleineren Weibchen weniger farbenprächtig – grau oder schmutzigweiß – sind.
- Glieder.Die Beine und der Brustkorb des Afrikanischen Straußes sind völlig federlos. Seine kräftigen, langen Gliedmaßen haben zwei Zehen, von denen eine einen markanten Huf besitzt. Seine Beine sind so kräftig, dass ein einziger Schlag eines Straußes schwere Verletzungen verursachen und sogar große Raubtiere töten kann.
- Größe und Gewicht.Dies sind die größten und schwersten Vögel der Welt. Sie erreichen eine Höhe von 2,5 Metern und wiegen etwa 120 kg (Weibchen) bzw. 150 kg (Männchen).
Der Strauß hat einen unglaublich langen Hals, der sich gut dehnen lässt, sodass er große Beutetiere im Ganzen verschlingen kann.
Lebensstil- und Verhaltensmuster
Strauße können gegenüber Menschen aggressiv werden, wenn diese in ihr Territorium eindringen. Solche Vorfälle sind zwar selten, zeigen aber dennoch ihren Freiheitsdrang und ihren Eigensinn.
Sie bevorzugen ein geselliges Leben. Sie leben in Familiengruppen, die aus einem Männchen, mehreren Weibchen und deren Nachwuchs bestehen. Eine solche Gruppe kann bis zu 30 Tiere umfassen, während junge Strauße im Süden in Gruppen von bis zu hundert Vögeln leben.
Afrikanische Strauße leben oft mit anderen Pflanzenfressern zusammen, vertragen sich gut und sind sehr zutraulich. Dank ihrer Größe und ihres ausgezeichneten Sehvermögens können sie alle Tiere in der Nähe vor Gefahren warnen.
Winterschlaf
Afrikanische Strauße können dank ihres üppigen Gefieders und ihrer ausgezeichneten genetischen Gesundheit die Winter in den zentralen Regionen der GUS-Staaten sehr gut überstehen.
Für die Haltung in Gefangenschaft werden speziell angepasste, warme Ställe gebaut. Im Winter geborene Tiere sind deutlich gesünder und widerstandsfähiger als solche, die im Sommer geboren und aufgezogen wurden.
Unterart
| Name | Durchschnittsgewicht (kg) | Gefiederfarbe | Lebensraum |
|---|---|---|---|
| Gemeiner Strauß | 120-150 | Schwarz (Männchen), grau (Weibchen) | Afrika |
| Massai-Strauß | 100-130 | Rot (während der Brutzeit), rosa (zu anderen Zeiten) | Ostafrika |
| Somali-Strauß | 150 | Bläulich-grau (Männchen), hellbraun (Weibchen) | Somalia |
| Südlicher Strauß | 110-140 | Schmutziggrau, hellschwarz | Namibia, Sambia, Angola |
Heute existieren nur noch vier Unterarten, die alle in Afrika vorkommen. Früher gab es mehr, doch ihre Populationen sind aufgrund der Ausrottung der Vögel stark zurückgegangen. Betrachten wir jede Unterart einzeln:
- Gemeiner Strauß. Die größte Art. Sie hat einen kahlen Kopf, und ihre Beine und ihr Hals sind rosarot. Die Haut des Weibchens ist weißlich-rosa statt rot. Das Ei des Straußes hat sternförmige Poren.
- Massai-Strauß. Sie lebt in Ostafrika. Während der Brutzeit färbt sich ihr Gefieder leuchtend rot, ansonsten hat es einen rosafarbenen Schimmer. Die Weibchen haben ein bräunlich-graues Gefieder und weißliche Gliedmaßen.
- Somalischer Strauß. Einige Wissenschaftler und Forscher stufen sie aufgrund reproduktiver Isolation, die durch DNA-Analysen nachgewiesen wurde, als eigene Art ein. Weibliche Somali-Strauße sind stets größer als die Männchen, wiegen bis zu 150 kg und erreichen eine Schulterhöhe von etwa 2,5 Metern. Die Männchen haben blaugraues Gefieder, während die Weibchen leuchtend braune Federn besitzen.
- Südlicher Strauß. Sie haben eine schmutziggraue und hellschwarze Färbung. Ihr Verbreitungsgebiet ist weitläufig: Namibia, Sambia und Angola.
Natürliche Lebensräume
Der Lebensraum des Afrikanischen Straußes variiert je nach Unterart. Am häufigsten suchen diese Vögel folgende natürliche Lebensräume auf:
- Savanne. Strauße bevorzugen aufgrund ihrer natürlichen Eigenschaften und ihres Bedürfnisses nach schneller Fortbewegung grasbewachsene Savannen und Gebiete mit wenigen Bäumen. Ebenen bieten ihnen einen hervorragenden Ort zur Fortpflanzung und Nahrungssuche.
Auf ebenem Gelände sind alle Tiere in der Nähe, einschließlich Raubtiere, gut sichtbar. Daher können Strauße im Gefahrenfall rechtzeitig fliehen. - Halbwüste.Während der Brutzeit kann man dort Gruppen von afrikanischen Straußen beobachten. Sie leben jedoch nicht in der Sahara, da der dortige Sand die für sie lebensnotwendige Fortbewegung erschwert. Der optimale Lebensraum ist eine Halbwüste mit festem Boden und kleinen Sträuchern.
Natürliche Feinde
Strauße haben eine Vielzahl natürlicher Feinde. Schauen wir uns genauer an, wie ernst und häufig die von ihnen ausgehende Gefahr ist:
- Raubtiere. Es handelt sich dabei um Hyänen, Schakale und Vögel, die die Nester der afrikanischen Strauße mit ihren wehrlosen Küken angreifen und zerstören. Daher erleidet die afrikanische Straußpopulation während der Brut- und Wachstumsphase enorme Verluste. Die Jungtiere können jedoch bereits 30 Tage nach der Geburt vor Gefahren fliehen.
Ausgewachsene Strauße werden nur von großen Raubtieren wie Löwen, Tigern, Leoparden und Geparden angegriffen. Strauße verfügen jedoch über wirksame Verteidigungsmechanismen, weshalb Raubtiere einen Angriff auf sie meiden. - Wilderer. Sie sind es, die der Population den größten und irreparabelsten Schaden zufügen. Jäger töten ganze Herden von 30 bis 80 Tieren. Sie verkaufen illegal deren Fell, Federn, Fleisch und Eier. Die einzige derzeitige Methode zur Bekämpfung der Wilderei besteht darin, Strauße auf Farmen zu züchten, um die Vorteile einer speziell gezüchteten Herde voll auszuschöpfen, anstatt alle Vögel zu töten.
- Touristen. Für sie ist es nur ein Zeitvertreib, deshalb jagen sie die Vögel gern aus Hubschraubern. Sie sind schwer zu kontrollieren, und die Regierung hat den Export von Straußenprodukten aus dem Land verboten.
Ernährung afrikanischer Strauße
Strauße haben eine Vielzahl von DiätSie fressen Gras, Zweige, Wurzeln, Pflanzen und Blumen. Aber auch kleine Nagetiere, die Überreste von Raubtieren und Insekten stehen auf ihrem Speiseplan.
Diese Vögel können lange Zeit ohne Wasser überleben, indem sie Feuchtigkeit aus Pflanzen gewinnen. Sobald sie jedoch ein Gewässer finden, nutzen sie es aus und trinken nicht nur, sondern baden auch darin.
Population und Status der Art
In vergangenen Jahrhunderten waren Straußenfedern sehr begehrt, was zu einem starken Rückgang des Bestandes führte. Dank künstlicher Zucht konnte diese Art jedoch vor dem Aussterben bewahrt werden.
Der afrikanische Strauß steht aufgrund seines rapide sinkenden Bestands in freier Wildbahn auf der Roten Liste gefährdeter Arten. Ursachen hierfür sind der Bau neuer Straßen und Gebäude, die Jagd und sogar der weit verbreitete Glaube, Straußenfleisch könne Diabetes heilen.
Fortpflanzung und Lebensdauer
Bevor das Männchen Eier legt, gräbt es selbst ein Loch. Das Leitweibchen der Gruppe bebrütet alle Eier etwa 40 Tage lang. Sie verbringt den ganzen Tag mit Brüten und verlässt das Nest nur, um zu fressen und kleine Nagetiere zu jagen. Nachts brütet das Männchen die Eier aus.
Nach 40 Tagen schlüpft das Küken. Dieser Vorgang dauert etwa eine Stunde. Es knackt die Schale mit Schnabel und Kopf. Sollten einige Küken nicht schlüpfen, pickt die Mutter selbst auf das Ei. Die Küken wiegen 1 kg, können sofort sehen und haben bereits Daunen. Mit 30 Tagen können sie schon recht schnell laufen.
Strauße wiegen innerhalb von sechs Monaten nach der Geburt etwa 25 kg. Nach zwei Jahren bekommen die Männchen schwarze Federn; vorher ähneln sie den Weibchen. Ihre Entwicklung verläuft im Allgemeinen allmählich und langsam. Die Entwicklung ihres Federkleids dauert besonders lange.
Wirtschaftliche Bedeutung
Diese Vögel werden wegen ihres wertvollen Leders und Fleisches gehalten und gezüchtet. Letzteres ist wertvoll, weil es mager ist. Federn und Eier sind ebenfalls erhältlich.
Die meisten Farmen befinden sich in Afrika, aber auch kältere Länder steigen bereits in den Handel ein. Schauen wir uns genauer an, warum Strauße so nützlich sind:
- Fleisch. Es ähnelt sehr fettarmem Rindfleisch. Straußenfleisch ist das magerste Fleisch der Welt und hat einen sehr niedrigen Cholesteringehalt. Durch die Fütterung mit preiswertem Grünfutter und Heu lässt sich das Gewicht eines Straußes steigern, wodurch man bis zu 40 kg reines Fleisch pro Tier erhält. Das ist deutlich rentabler als die Schweinezucht, die teures Futter benötigt.
- Leder. Straußenleder ist ein begehrtes, wertvolles und teures Leder, das in seiner Qualität mit Krokodilleder vergleichbar ist. Strauße sind am besten, wenn sie ein Jahr alt und noch unverletzt sind.
- Federn.Straußenfedern waren seit der Antike bei Frauen sehr begehrt. Daraus wurden Luxusartikel gefertigt. Am häufigsten dienten die Federn als Schmuckelemente an Damenhüten, was beinahe zum Aussterben der Strauße geführt hätte.
- Eier. Der Energiewert eines Straußeneis beträgt 118 kcal pro 100 g. Er unterscheidet sich kaum von dem von Hühnereiern. Ein ganzes Ei reicht aus, um 11 Personen zu ernähren.
- Andere Produkte. Mediziner führen Experimente an Straußen durch. Das Fett wird in Kosmetikprodukten verwendet, beispielsweise in solchen, die Falten reduzieren und die Haut glätten.
| Produkt | Ertrag pro Individuum (kg) | Empfangszeitraum |
|---|---|---|
| Fleisch | 40 | 12-14 Monate |
| Leder | 1,5 | 12 Monate |
| Federn | 1 | 6 Monate |
Domestizierung des afrikanischen Straußes
Es ist gesichert, dass die Versuche zur Domestizierung des afrikanischen Straußes im alten Ägypten begannen. Die erste Straußfarm wurde jedoch erst im 19. Jahrhundert in Amerika eröffnet. Seitdem haben sich Straußenfarmen fast weltweit verbreitet. Heute werden Strauße in über 50 Ländern gezüchtet.
Vögel können sich trotz ihrer afrikanischen Herkunft recht schnell an widrige Wetterbedingungen anpassen. Sie vertragen Temperaturen bis zu -30 Grad Celsius problemlos, doch plötzliche Temperaturwechsel, Zugluft und nasser Schnee sind besonders schädlich für sie und können zu Krankheiten und sogar zum Tod führen.
Ist es möglich, es zu züchten?
Der Strauß ist ein großer und exotischer Vogel, aber auch robust und ein Allesfresser. Damit ein Vogel auf einem Bauernhof gut gedeiht, sind folgende Bedingungen notwendig:
- In der Nähe sollte eine geräumige Rasenfläche vorhanden sein, auf der verschiedene Pflanzen wachsen können;
- die Anwesenheit eines isolierten Hühnerstalls, da Strauße trotz ihrer Robustheit warme Klimabedingungen lieben;
- Für ein Männchen benötigt man 3-4 Weibchen; dadurch wird die korrekte Fortpflanzung sichergestellt.
- ✓ Optimales Verhältnis von Männchen zu Weibchen in der Herde: 1:3-4, um eine effektive Fortpflanzung zu gewährleisten.
- ✓ Der Bedarf an einer geräumigen Lauffläche mit abwechslungsreicher Vegetation zur natürlichen Nahrungsaufnahme.
In diesem Video erfahren Sie mehr über die Zucht afrikanischer Strauße:
Artenschutz
Der Strauß benötigte dringend radikale und ernsthafte Schutzmaßnahmen. Eine Organisation, die sich dem Schutz der Sahara verschrieben hat, rief die Öffentlichkeit dazu auf, beim Erhalt der Population und der Auswilderung des Straußes zu helfen. Heute hat die Sahara Desert Foundation bereits bedeutende Erfolge beim Schutz des Afrikanischen Straußes erzielt.
Das Unternehmen unterstützte mehrere wichtige Schritte beim Bau von Brütereien und beriet sich mit Experten für die Zucht in Gefangenschaft. Es leistete außerdem bedeutende Unterstützung für einen Zoo bei der Straußenzucht.
In einem afrikanischen Dorf im Osten wurde eine Aufzuchtstation mit allen notwendigen Bedingungen für Strauße eingerichtet. Dank staatlicher Unterstützung konnte eine Vogelschar in Schutzgebiete gebracht und dort in Naturschutzgebieten freigelassen werden, um ihr Leben in freier Wildbahn fortzusetzen.
Der Strauß ist ein einzigartiger Vogel. Er blickt auf eine lange Geschichte zurück, eignet sich hervorragend für die Zucht und benötigt keine besonderen Haltungsbedingungen. Viele Landwirte sind mit ihrer Entscheidung, mit der Straußenzucht zu beginnen, zufrieden, da sie damit beträchtliche Gewinne erzielen.




