Um eine hohe Milchleistung zu erzielen, müssen die Besitzer die Melktechniken beherrschen. Richtiges Melken steigert die Milchmenge, verbessert die Milchqualität und beugt Mastitis vor.
Handmelken
Wenn Sie keine Melkmaschine besitzen, greifen Sie auf die bewährte Methode des Handmelkens zurück. Der Vorgang ist einfach, erfordert aber Zeit, Sorgfalt und vor allem die richtige Technik.
Vorbereitung
Das Melken wird einfacher, wenn Sie von Anfang an ein vertrauensvolles Verhältnis zum Tier aufbauen. Kühe reagieren sehr sensibel auf Menschen; sie erkennen ihren Melker an Stimme, Aussehen und Geruch. Hier sind einige Regeln, die Ihnen beim erfolgreichen Melken helfen:
- Erschrecke die Kuh nicht, geh nicht von hinten an sie heran, geh so, dass sie dich sehen kann – sonst könnte sie sich erschrecken.
- Streicheln Sie sie unbedingt, sagen Sie ihr ein paar liebe Worte und rufen Sie ihren Namen.
- Binden Sie die Kuh fest. Falls nötig, verknoten Sie die Hinterbeine. Fixieren Sie den Schwanz.
Um zu verhindern, dass Bakterien vom Euter und den Händen des Melkers in die Milch gelangen, sind Hygieneregeln zu beachten:
- Mist aus dem Stall entfernen;
- Lüften Sie den Raum;
- Bereiten Sie einen sauberen Eimer und einen Becher vor;
- Ziehen Sie saubere Arbeitskleidung an und setzen Sie eine Mütze oder einen Schal auf;
- Wasch deine Hände;
- Waschen Sie das Euter mit Waschmittel – dadurch wird es weicher.
Milchqualitätskontrolle
- ✓ Überprüfen Sie den ersten Milchstrahl auf Schuppen (ein Anzeichen für Mastitis).
- ✓ Verwenden Sie einen separaten Behälter für die „schmutzige“ Milch (die ersten 100-200 ml).
Das Euter sollte mit 40 °C warmem Wasser gewaschen werden – das entspricht der Körpertemperatur der Kuh. Heißes Wasser kann zum Gerinnen der Milch führen.
Nehmen Sie ein sauberes, trockenes Handtuch und trocknen Sie das gewaschene Euter ab. Achten Sie darauf, dass auch Ihre Hände trocken sind. Setzen Sie sich auf einen niedrigen Hocker und stellen Sie den Eimer unter das Euter. Für zusätzliche Stabilität können Sie den Eimer mit den Füßen abstützen.
Massage
Um den Milcheinschuss anzuregen, empfiehlt es sich, das Euter mit sanften Streichbewegungen zu massieren. Die Massage sollte etwa eine Minute dauern. Mit genügend Zeit und Geduld lässt sich so jeder letzte Tropfen Milch gewinnen. Die Massage regt die Kuh zur Produktion eines Hormons an, das die Zitzen entspannt. Wird das Euter vor dem Melken nicht massiert, verringert sich die Milchmenge.
Eutermassagetechnik
- Kreisförmige Bewegungen an der Basis jedes Lappens (10 Sek.).
- Mit leichtem Druck von oben nach unten streichen.
- Nachahmung des Kälbersaugens (Drücken der Zitzen nach oben).
Durch eine Eutermassage verkürzt sich die Melkzeit und die Milchmenge erhöht sich um 15 %.
Nach dem Melken erfolgt erneut eine Massage, die Folgendes beinhaltet:
- beugt Mastitis vor, einer Krankheit, die in der Milchwirtschaft ein großes Problem darstellt;
- verbessert die Eierstockfunktion, was eine erfolgreiche Befruchtung begünstigt;
- Bei Färsen, die noch nicht gekalbt haben, beginnt die Massage mehrere Monate vor dem Kalben und endet einen Monat vor dem Kalben.
Melktechnik und Regeln
Es gibt zwei Arten des Handmelkens:
- mit zwei Fingern – „kneifen“;
- mit einer ganzen Handfläche.
Um übermäßige Reibung zu vermeiden, können Sie Ihre Hände mit Vaseline einfetten – das erleichtert das Melken.
Die Wahl der Ausrüstung ist Sache des Melkers, dabei ist es wichtig, folgende Regeln zu beachten:
- Die Zitzen dürfen beim Melken nicht gebogen werden;
- Milch sollte nicht an die Finger gelangen;
- Die erste Portion wird nicht in einen Eimer, sondern in einen speziell vorbereiteten Becher gemolken – dadurch wird die Anzahl der Bakterien in der Milch reduziert.
- Sie müssen die Milch bis zum letzten Tropfen ausdrücken, damit kein Tropfen zurückbleibt, sonst lässt sich eine Mastitis nicht vermeiden.
- Die Brustwarzen werden mit einer Frequenz von 70-100 Bewegungen pro Minute gequetscht;
- Jede Zitze muss gemolken werden.
Um die Milchleistung zu steigern und Mastitis vorzubeugen, sollte das Melken jeden Tag zur gleichen Zeit erfolgen.
Jede Zitze wird einzeln gemolken, da das Euter durch eine Scheidewand in Lappen unterteilt ist. Die Milch fließt nicht von einem Lappen zum anderen. Merken Sie sich die Melkreihenfolge: zuerst die vorderen, dann die hinteren Lappen.
Melken mit zwei Fingern
Diese Technik eignet sich nur für junge Kühe mit kurzen Zitzen. Sie ist weniger komfortabel als das Melken mit der ganzen Faust, aber manchmal notwendig. Melktechnik mit der Hand:
- Drücken Sie die Brustwarze mit Ihren Fingern – Zeigefinger und Daumen – und führen Sie dabei abwärts gerichtete Bewegungen aus.
- Die Manipulationen sollten sanft und geschmeidig erfolgen – das Tier sollte keine Schmerzen empfinden.
Durch das Kneifen kann es zu Überdehnungen und Traumata der Zitzen kommen, was dazu führen kann, dass die Kuh gereizt und sogar aggressiv wird.
Melken mit der Faust (volle Handfläche)
Das Melken mit der Faust (voller Hand) wird häufiger angewendet; es ist für den Melker bequemer und weniger traumatisch als das Melken mit einer Zange. Technik:
- Fassen Sie eine Brustwarze mit beiden Händen – jede sollte vollständig in Ihre Faust passen. Die Brustwarzenbasis sollte zwischen Zeigefinger und Daumen liegen.
- Ziehen Sie die Brustwarzen nach unten und drücken Sie ihre Basis zusammen. Zuerst nur die oberen beiden, dann alle gleichzeitig.
- Der Milchstrahl wird mit einer wellenförmigen Bewegung zum Auslass befördert. Das Biegen oder Ziehen an den Saugern ist strengstens verboten. Der Strahl muss senkrecht auf den Boden des Eimers treffen.
- Jeder Milchstrahl muss vollständig herausgepresst werden – die Milch darf nicht zurückfließen.
- Sie reiben das Euter, indem sie ihre Hände von oben nach unten und dann vom Rand zur Mitte bewegen. Die restliche Milch wird herausgemolken.
- Das Euter mit einem trockenen, sauberen Tuch abwischen und großzügig mit Vaseline einreiben, um die Haut zu pflegen und zu beruhigen. Falls das Pferd angebunden ist, losbinden und alle Fesseln entfernen.
Es spielt keine Rolle, welche Brustwarzen Sie zuerst melken. Sie können sie diagonal melken. Manche Mütter finden es unangenehm, beide Hände gleichzeitig zu melken. In diesem Fall können Sie sie nacheinander in beliebiger Reihenfolge melken.
Nach dem Melken können Sie die Kuh mit etwas Schmackhaftem verwöhnen, um ihr Vertrauen in den Melker und in den Melkvorgang selbst zu stärken.
Eine Melkerin wird erklären und demonstrieren, wie man sich richtig auf das Melken vorbereitet und wie man eine Kuh sauber melkt, ohne sie zu verletzen:
Maschinelles Melken
Der Einsatz von Melkmaschinen ist kosteneffektiv, wenn man mindestens ein paar Kühe besitzt.
Ihre Vorteile:
- Der Prozess wird beschleunigt – das ist eine unschätzbare Eigenschaft, wenn es viele Kühe gibt.
- Die Lohnkosten sinken – der Milchpreis sinkt.
- Die Hygienevorschriften werden eingehalten. Bei der Verwendung von Melkmaschinen müssen die Sauger sauber sein und der Milchbehälter dicht verschlossen, um zu verhindern, dass Schmutz und Haare hineingelangen.
- Das Melken verbessert die Produktqualität, da das Euter während des Melkens massiert wird. Gemelkt wird bis zum letzten Tropfen.
- Der Stromverbrauch ist gering – die Geräte sind sparsam.
Vergleich der Melkmaschinen
| Parameter | Haushalt | Industrie |
|---|---|---|
| Vakuum (kPa) | 42-48 | 50-54 |
| Zyklen/min | 50-60 | 60-70 |
| Ressource (Stunde) | 2000 | Mehr als 10.000 |
Wie wählt man das richtige Gerät aus?
Melkmaschinen unterscheiden sich hinsichtlich ihrer technischen Spezifikationen, ihres Designs und ihres Anwendungsbereichs. Alle Maschinen werden nach ihrer Funktionalität wie folgt kategorisiert:
- Industrie. Sie verfügen über einen leistungsstarken Motor und können mehrere Kühe gleichzeitig melken. Sie sind groß und mit automatischen Steuerungen ausgestattet.
- Haushalt. Sie sind für 1-2 Kühe ausgelegt und ihr Vorteil liegt in der Möglichkeit, sie präzise an jede einzelne Kuh anzupassen.
Die Milchsammlung erfolgt mit jeder Maschine nach dem gleichen Verfahren. Zuerst muss die Maschine überprüft und vorbereitet werden:
- Beim Einschalten des Motors startet die Pumpe und erzeugt ein Vakuum in der Vakuumleitung.
- Warten Sie 5 Minuten, bis der Druck ansteigt.
- Achten Sie auf Störgeräusche – falls ungewöhnliche Geräusche auftreten, schalten Sie das Gerät aus und beheben Sie das Problem.
Anpassung an maschinelles Melken
- ✓ Beginnen Sie an den ersten 3 Tagen mit 2-minütigen Einheiten.
- ✓ Verwenden Sie Pheromonsprays zur Stresslinderung.
Wie kann man einer Kuh beibringen, die Maschine zu benutzen?
Vor dem Einsatz einer Melkmaschine sollten Sie einen Tierarzt konsultieren, um mögliche Gegenanzeigen auszuschließen. Kühe, die bisher von Hand gemolken wurden, sollten schrittweise daran gewöhnt werden. Vermeiden Sie plötzliche Veränderungen, da die Kühe sonst erschrecken und die Milchleistung sinkt. Zunächst muss sich die Kuh an das Geräusch gewöhnen. Das Brummen ist der größte Nachteil des maschinellen Melkens. So gewöhnen Sie die Kuh an die Maschine:
- Wenn Sie die Kuh von Hand melken, schalten Sie die Melkmaschine ein und lassen Sie sie brummen.
- Erstkalbende Färsen sollten einige Monate vor dem Kalben trainiert werden. Dazu schaltet man das Gerät ein und streichelt ihr Euter und ihre Zitzen.
Die Gewöhnung sollte beim Handmelken – morgens, mittags und abends – verstärkt werden. Dieser Vorgang findet in dem Raum statt, in dem das Melken erfolgen soll.
Tiere, die durch das Geräusch des Geräts erschreckt werden, sollten beruhigt und mit einem Leckerbissen – gesalzenem Brot – versorgt werden. Das Geräusch wird vorübergehend abgeschaltet. Sobald sich die Kuh beruhigt und gefressen hat, wird das Gerät wieder eingeschaltet und die Kuh erhält weiteres Brot. Was Sie wissen müssen:
- Maschinelles Melken ist kontraindiziert, wenn das Euter oder die Zitzen beschädigt sind.
- Man kann nicht abwechselnd von Hand und maschinell melken, da die Milchmenge dadurch abnimmt.
Der Vorgang des Melkens mit einer Melkmaschine
Verwenden Sie zum Melken ein vorgereinigtes Melkgerät. Melkvorgang:
- Das Euter der Kuh wird gewaschen, trocken gewischt und massiert.
- Wenn sich die Kuh beruhigt und die Milch zu fließen beginnt, wird die Melkmaschine eingeschaltet.
- Sobald der Druck die erforderlichen Werte (siehe Anleitung) erreicht hat, setzen Sie die Becher auf. Achten Sie darauf, dass keine Luft in die Becher gelangt.
- Der Melkvorgang dauert 5 Minuten. Sobald die Milch angesaugt wird, wird der Druck reduziert. Die Pulsationsfrequenz sollte 60 Hübe pro Minute nicht überschreiten (das Vakuum im Verteiler beträgt 37–41 kPa).
- Wenn die Intensität der Milchstrahlen nachlässt, wird der Auffangbehälter leicht nach unten gezogen und dann wieder in seine Ausgangsposition zurückgebracht – dadurch kann die restliche Milch abgemolken werden.
- Sobald das Euter weich und schlaff wird, schalten Sie das Gerät aus. Wenn Sie etwas warten, fallen die Becher von selbst ab.
- Sie überprüfen den Zustand der Zitzen, gießen die Milch aus und reinigen die Melkmaschine.
Ein Lehrvideo, das das maschinelle Melken demonstriert. Ein Spezialist erklärt die Feinheiten der Technik:
Wie oft wird eine Kuh gemolken?
Der Besitzer entscheidet, wie oft eine Kuh pro Tag gemolken wird. Alter und Gesundheitszustand des Tieres werden dabei berücksichtigt. Die Mindestmelkfrequenz beträgt zweimal täglich. Hier erfahren Sie, was Sie beim Melken einer Kuh beachten sollten:
- Erstkalbende Färsen werden in den ersten zwei Wochen 4 Mal täglich gemolken.
- Dann wird die Anzahl der Melkvorgänge auf 3 pro Tag reduziert.
Die Abstände zwischen den Melkvorgängen dürfen nicht überschritten werden. Bei zwei Melkvorgängen täglich sollte der Abstand nicht mehr als 12 Stunden betragen; bei drei Melkvorgängen täglich nicht mehr als 9 Stunden.
Hochleistungskühe sollten dreimal täglich gemolken werden, dadurch wird Folgendes ermöglicht:
- hohe Milchmengen aufrechterhalten;
- Milchstau vermeiden.
Welche Art von Fehlern gibt es?
Auf den ersten Blick erscheint Melken nicht kompliziert; Hauptsache ist, die Kuh nicht wütend oder ängstlich werden zu lassen. Doch es gibt Kleinigkeiten, die die Milchproduktion beeinträchtigen können.
Fehler beim Handmelken
Die meisten Fehler hängen mit dem Melkverfahren und der Melktechnik zusammen:
- Verstöße gegen die üblichen Melkverfahren können zu Mastitis, Sepsis und Tod führen.
- Unvollständige Euterentleerung. In den Zitzen verbleibende Milch mindert deren Qualität.
- Nähere dich der Kuh von links. Du solltest dich von rechts nähern.
Fehler beim maschinellen Melken
Ist die Kuh noch nicht bereit zum Melken, entnimmt das Gerät schnell die Zisternenmilch, und der Melkvorgang wird vergeblich fortgesetzt. Dies wiederholt sich, bis die Bewegung des Geräts den Reflex erneut auslöst.
„Leerlaufmelken“ verursacht Schmerzen und hemmt den Milchfluss. Das Zurückhalten von Milch im Euter verringert die Milchmenge und schädigt das Euter, was zu Entzündungen und Mastitis führen kann. Während des Melkens ist es verboten, den Milchfluss durch konditionierte Reflexe zu hemmen.
- grobe Behandlung;
- schmerzhafte Reizung der Brustwarzen;
- Änderung des Melkortes und der Melkzeit.
Ob per Hand oder maschinell gemolken wird, ist es wichtig, auf Hygiene zu achten, alle Vorbereitungsmaßnahmen durchzuführen und die Melktechnik genau zu befolgen. Für die Milchproduktion in großem Umfang ist eine Melkmaschine unverzichtbar. Hält man nur ein oder zwei Kühe auf dem Hof, reicht das Melken von Hand völlig aus.




